Das zweite Jahr lief besser, obwohl wegen des guten Getreidepreises einige Landwirte ihr Getreide nicht einsiliert, sondern verkauft haben. Der Zuwachs an Menge in diesem zweiten Jahr kam hauptsächlich durch LKS (Liesch-Kolben-Schrot). Eigentlich sei diese Quetsche nicht für LKS gedacht, aber wenn der Quetschkasten entfernt werde, könne auch LKS in den Folienschlauch gepresst werden. Mittlerweile ist Jochen Kühl mit seiner Quetsche landesweit unterwegs. Er bedient also Kunden zwischen Nord- und Ostsee, von Hamburg bis zur dänischen Grenze. Kunden sind Milchviehbetriebe, die das gequetschte Getreide als Kraftfutter einsetzen. Seine Kundenwerbung läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda, aber auch über Futterberater und den Maschinenring. Er ist mit der Auftragslage zufrieden, weiß aber sehr wohl, dass das Wohl und Wehe dieser Dienstleistung am Getreidepreis hängt.
Interessant ist, dass in jüngster Zeit Landwirte auch den Körnermais quetschen und im Schlauch silieren lassen. Im vergangenen Jahr hat Jochen Kühl rund 1000 to Körnermais auf diese Weise einsiliert. Eine wetterbedingte Besonderheit war, dass ein Teil dieser Maisflächen, die im Herbst zu nass waren, erst von Dezember bis Mitte Januar bei Frost gedroschen wurden. Der Mais wird in der Regel auch auf dem Hof einsiliert. Das heißt die Landwirte kippen den Körnermais auf dem Hof ab und dort wird mit dem Frontlader die Quetsche beschickt. Beim Wechsel von Getreide auf Mais müssen die Quetschwalzen getauscht werden. „Beim Mais sind gröbere Walzen nötig", schildert LU Kühl.
Seine Getreidequetsche verfügt über zwei Walzen, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten laufen. Das bedeutet, es wird gequetscht und gleichzeitig werden die Körner etwas aufgerieben. Das reicht für Rinderfutter. Für Schweinefutter sei dies zu grob und müsse nochmals gemahlen werden, erklärt Jochen Kühl. Daher sind seine Kunden nahezu 100% Milchviehhalter.
Hersteller dieser Quetsche ist die belgische Firma „DEWA". Die Maschine wird geführt wie ein Einachs-Anhänger hinter dem Schlepper. Antriebsleistungen von 130 PS reichen aus, erzählt Kühl. Das Getreide wird per Frontlader oder direkt aus dem Überladewagen in einen 3 m hohen Trichter gefüllt. Dann läuft das Getreide durch die Quetsche in eine Querschnecke, die das gequetschte Getreide nach hinten in den Folienschlauch presst. Zur besseren Konservierung wird Propionsäure oder Kofa Grain von Addcon hinzugefügt. Die Quetsche hat eine Leistung von 15 to pro Stunde.
Wenn der Schlauch später auf dem Feld bleiben soll, kann auch direkt im Feld gequetscht und in den Folienschlauch gepresst werden. Aber in aller Regel lassen die Landwirte das am Hof machen, direkt neben dem Fahrsilo. Denn das gequetschte Getreide ist wie Kraftfutter zu behandeln und daher ist es ratsam den Schlauch nahe der Gras- oder Maissilage zu lagern. Das erleichtert später die Befüllung des Futtermischwagens. Der Folienschlauch müsse nicht auf betoniertem Untergrund liegen. Wichtig sei allerdings, dass der Platz im Winter gut befahrbar sei, rät Jochen Kühl. Trockener Sand, Kies oder Schotterbett reiche als Untergrund aus. Der Folienschlauch misst im Durchmesser 1.50 m. Maximal können 60 m Länge genutzt werden. Die Entnahme erfolgt mit Frontladerschaufel.
Dies - so Kühl - sei die einzige Möglichkeit, feuchtes und ausgewachsenes Getreide als Futtermittel zu verwerten. Eine normale Mahl- und Mischanlage hätte mit ausgewachsenem Getreide große Schwierigkeiten. Er quetscht das Getreide bis maximal 30%Feuchte, solange das Korn einigermaßen rieselt, funktioniere das, ergänzt er.
Nach den guten Erfahrungen mit der Schlauchsilierung für Getreide bietet Jochen Kühl jetzt ab der Saison 2009 auch die Folienschlauch-Silierung von Gras und Mais an. Dabei arbeitet er mit dem System Ag-Bag. Bisher sei die Nachfrage recht gut. Ende März hat er zum Beispiel Maissilage umsiliert. Ein Landwirt wollte die Maissilage vom entfernten Feldsilo dichter an den Stall haben und so hat Jochen Kühl die Silage in einen Schlauch nahe dem Stall einsiliert. Bei der Grassilierung seien je nach Presse mindestens 180 PS Antriebsleistung nötig. Kunden für diese Dienstleistung sind Landwirte, die bisher Ballensilage gewickelt haben oder die ein zu kleines oder keinen Fahrsilo haben. Gegenüber einer Neuanlage von Fahrsilos sei das Verfahren Folienschlauch bis zu einer gewissen Größe ohnehin kostengünstiger, meint Kühl. Für diese neue Dienstleistung hat er eine Arbeitskraft fest eingestellt. Denn neben der Schlauchsilierung ist Jochen Kühl noch im Pflanzenschutz aktiv. Für beide Leistungen gelten schmale Zeitfenster und fordern Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Alleine sei das nicht zu schaffen. Er arbeitet beim Pflanzenschutz mit JCB und Aufbauspritze vorwiegend in Getreide und Mais. Im letzten Jahr hat er insgesamt 1500 ha gespritzt. Bei den meisten Kunden macht er im Pflanzenschutz die Komplettberatung und die entsprechende Anwendung dann in Eigenregie. Pflanzenschutz sei für ihn als Lohnbetrieb derzeit ein Wachstumsmarkt, denn gerade die wachsenden Tierbetriebe widmen sich mehr dem Tierbestand und geben diese wie auch andere Außenarbeiten an den LU ab.
Und wie reagieren die Milchviehbetriebe im Südwesten Schleswig-Holsteins auf die niedrigen Milchpreise? Jochen Kühl beobachtet, dass in seiner Region die Milchviehbetriebe entweder stark wachsen oder aber die Milchviehhaltung aufgeben und in Biogas investieren.
Eine besondere Dienstleistung von Jochen Kühl ist zudem die Herstellung und der Vertrieb von Brennholz. Pro Jahr fertigt er ca. 500 srm Brennholz. Um den Sägespalter besser auszulasten, werden noch ca. 500 srm Brennholz im Lohnbetrieb gesägt und gespalten. Hierzu fährt er auf den Betrieb oder direkt im Wald des Kunden. Kunden mit eigenem Forstbetrieb haben Stämme, 3-4 m Länge und 35-38 cm im Durchmesser teilweise vorsortiert. Bei diesen Qualitäten ist dann schon mal eine Stundenleistung von 10 srm drin. Aber auch kleinere oder nicht ganz gerade Stämme haben eine Durchsatzleistung von 7-8 srm.
Hans-Günter Dörpmund, Redaktion Lohnunternehmen
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